background image
40
¬
wobmag themen
Lieber Reuben,
ich dachte immer, du bist mein Freund. Ich dachte immer, auf den Typ
ist Verlass, ihm kann ich vertrauen. Schon als ich dich vor ca. 15 Jahren
bei einer Bootsfahrt auf der Seine durchs nächtliche Paris kennengelernt
habe, und später bei vielen anderen Meetings, war mein Eindruck, das
ist der Kerl, mit dem man Pferde stehlen kann. Heute weiß ich: Es war
ein Irrtum. Ein grausamer Irrtum.
Denn schon als ich dein Buch ,,101 Klischees" zum ersten Mal gesehen
habe, wurde mir unwohl. ,,Wie bitte?", dachte ich, ,,du zeigst Klischees?"
Ein Schauer des Entsetzens lief mir den Rücken hinab, denn ich fühlte,
worauf diese Veröffentlichung hinauslaufen würde. Sehr deutlich.
Deine Arbeit in Ehren, Reuben. Aber hast du sie unbedingt veröffent-
lichen müssen? Musstest du unbedingt den Schleier lüften, der über die-
sen wohlfeilen kleinen Tricks ruhte? Wir wissen doch alle: Wenn nichts
mehr geht, dann geht immer noch ein Schachspiel oder ein Hürdenläufer
oder ein Bergsteiger als Key-Visual. Ja, ,,Schachspiel", wenn im Briefing
,,strategisch" steht, ,,Hürdenläufer", wenn im Briefing ,,Hindernisse über-
winden" steht und ,,Bergsteiger", wenn im Briefing ,,Nr. 1" steht.
,, Ich hasse
MR. REUBEN WEBB"
BBN Creative Director Reuben Webb hat ein Buch gemacht. Ein Buch,
in dem er die Benutzung von Klischees in der BtoB-Kommunikation mit
bitterer Ironie entlarvt und anprangert. Steffen Herbold hasst ihn dafür.
Aber richtig. Hier seine Tirade.