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wobmag themen
In Zukunft wird das sicherlich so sein, denn die neue Generation
der User wird demnächst die entsprechenden Schlüsselposi-
tionen im ökonomischen Spiel besetzen. Bis dahin sollte man sich
aber mit einem ziemlich interessanten Phänomen auseinander-
setzen:
Das ,,Digital Immigrant" Paradox
Die Generation, von der hier die Rede ist, wird in der Presse gerne
,,Digital Natives" oder ,,Digital Citizens" genannt - und das trifft
den richtigen Punkt: Wer mit dem Netz groß geworden ist, stellt
etwa nicht mehr die Frage, ob Social Networking das Fernsehen
ablösen wird. Er guckt einfach nicht mehr.
Jeder, der schon mal gesehen hat, wie seine siebenjährige Tochter
allein den Computer hochfährt, um einer gleichaltrigen Freundin
ein paar Bilddateien zu mailen, wird ahnen können, wie grundle-
gend die Welt sich gerade wirklich ändert. Den vor der Mondlan-
dung Geborenen bleibt dabei nur eine Wahl: Entweder sie adap-
tieren sich oder sie tun es nicht, denn anhalten wird dieser Zug
nicht mehr.
In logischer Anlehnung an sein Konzept der ,,Digital Natives" hat
der amerikanische Unternehmer, Spieledesigner und Autor Marc
Prensky diese ältere Generation ,,Digital Immigrants" genannt
(übrigens schon 2001). Und diese Position nehmen sie ein ­ die
des Eingewanderten.
Das Problem ist: Anders als bei der Integration von Immigranten
im richtigen Leben haben die ,,Digital Immigrants" momentan die
Schlüsselpositionen des ökonomischen Diskurses inne. So ergibt
sich die Situation, dass die Entscheider im Management häufig
nicht die blasseste Ahnung davon haben, ,,was diese Webentwick-
ler im Keller da eigentlich genau treiben", geschweige denn, dass
sie wüssten, wozu die in der Lage sein könnten.
Das Paradox ist: Machtpromotoren sind die ,,Digital Immigrants",
die sich Etikette, Motivation und Handlungsoptionen im neuen
Netz eigentlich erst aneignen müssen. Fachpromotoren sind die
,,Digital Natives", eine Generation von Usern, die in diesem Netz
groß geworden ist.
Ein kleiner Exkurs: ,,im System" und ,,außerhalb des
Systems"
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie führen jemanden, der
keine Ahnung vom Wesen des Sports hat und noch nie in sei-
nem Leben ein Fußballspiel gesehen hat, in ein gut gefülltes
Stadion, in dem gerade ein spannendes Spiel im Gange ist. Die-
ser Person würde sich doch ein völlig unverständliches Schau-
spiel bieten ­ und die Chancen stehen nicht schlecht, dass
sie am Ende des Abends so urteilen würde: 40.000 Wahn-
sinnige beobachten 1 1/2 Stunden lang zweiundzwanzig Wahn-
sinnige. Drei strenge Herren, zwei davon mit Fähnchen, passen
auf, dass alles gut geht.