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Was geschieht dort eigentlich? Was könnte geschehen?
Es hat keinen Sinn, das Verhalten in den Networks mit dem Ver-
halten außerhalb der Networks zu vergleichen, denn es geht hier
um eine unterschiedliche Qualität des Kontakts. Social Networks
wie twitter oder facebook bieten schlicht und einfach die Möglich-
keit, die Ökonomie der Zuwendung des Einzelnen neu zu definie-
ren: In facebook kann man plötzlich mit Personen, die man mag,
die man aber realistisch betrachtet erst in zehn Jahren per Zufall
wiedersehen würde, in losem Kontakt bleiben. Es entsteht plötz-
lich eine Art unverbindliche Verbindlichkeit, die es vorher so nicht
gab, nicht geben konnte. Gerade so verhält es sich mit Gruppen oder
entsprechenden Gemeinschaften mit interessanten Themen ­ man
bleibt gezielt auf dem Laufenden, und was mit der Vorliebe für
Beyoncé Knowles oder Jay-Z funktioniert, kann auch mit Unter-
nehmen und Marken funktionieren, wenn man etwas zu sagen hat.
Wichtig ist dabei: Der Glaube an die eigene Relevanz muss da sein!
Denn die Etikette im Social Network verbietet nicht nur jegliche
eindimensionale Reklame-Denke. Dieser Kanal ist für im besten
Sinne des Wortes ,,wert-volle" Information reserviert und die Teil-
nehmer selbst wachen mit Argusaugen darüber, ob jemand mit
solchen werthaltigen Informationen zum Diskurs beiträgt oder
doch ,,nur" verdeckt, aber platt, die Werbetrommel rührt (das Bei-
spiel Dell beweist im Übrigen, dass auch gute Preisangebote
solch werthaltige Information sein können). Auf diese Weise wird
Meinungsführerschaft im Netz demokratisiert ­ jeder kann sich
äußern und gehört werden, ohne einen Lehrstuhl innezuhaben
oder fürs wichtigste Branchenmedium zu schreiben. Unterneh-
men müssen und werden sich dieser Herausforderung über kurz
oder lang stellen. Das Prinzip Mund-zu-Mund-Propaganda globali-
siert sich.
Auf den ersten Blick mag das aus dem Marketing-Blickwinkel ent-
mutigend wirken, auf den zweiten ist es aber gerade für BtoB-
Anbieter eine riesige Chance, Beziehungsmanagement und Dialo-
ge über seriöse Informationsvermittlung und wirklich interessante
Inhalte zu betreiben.
Das reine Ansehen von Websites ist im Grunde dieselbe Einbahn-
straße wie das Fernsehen; das Herunterladen von Broschüren oder
Papers ist lediglich ein effizienterer Weg des Versandes. Wirklich
interessant wird es in der Tat erst ab hier, denn die neue Qualität
des Internets mit funktionierenden sozialen Netzwerken verlangt
wesentlich mehr als die Bereitschaft zum Medienwechsel. Sie be-
dient einen neuen Typus des Nutzers. Dieser Nutzer ist schnell,
flexibel, gewitzt und eigensinnig. Und: Er kann jederzeit selbst Pro-
vider von Content sein. Und: Er reagiert empfindlich auf Fakes.
Die neue Qualität des Webs stellt so die Anbieter von Inhalten auf
die Probe. Sind sie in der Lage, Content zu erarbeiten, der diesen
Bedürfnissen nach Relevanz entspricht? Sind sie in der Lage,
offene Dialoge zu führen? Sind sie in der Lage, auch mit Kritik
umzugehen?
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