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wobmag themen
Wir erinnern uns: ,,Computer per Telefon und Fax verkaufen? Das
klappt doch nie im Leben!" Und dennoch, der damals blutjunge
Michael Dell glaubte an seine Idee, und so wurde der Computer-
hersteller Dell zum erfolgreichen und viel bewunderten Erfinder
des Direktgeschäfts mit PCs (für die Kommunikation von Dell's
Deutschland-Launch 1988/89 war übrigens wob verantwortlich,
aber das nur nebenbei).
Nun jedoch scheinen die Texaner abermals Marketing-Geschichte
zu schreiben: Einer im Sommer 2009 lancierten und von allen
Branchenmedien beachteten Pressemeldung zufolge, konnte Dell
im Rahmen eines Pilotprojektes 2008/09 sage und schreibe
3 Millionen Dollar Umsatz über den Microblogging-Dienst twitter
erzielen. Dell nutzte twitter dabei als Kanal zu seinem Online-
Outlet-Center, in dem preisgünstige Notebooks, Desktops, Dru-
cker und Zubehör angeboten werden. Außerdem gibt es dort spe-
zielle Sonderangebote für die twitter-Gefolgschaft, die offenbar
viel Zuspruch finden. Tatsache ist: Stand Juni 2009 zählt Dell mit
seinen 32 (!) twitter-Accounts bereits rund 600.000 Follower und
kann sich damit zu den weltweit 50 beliebtesten twitter-Profilen
rechnen.
Wie passen soziale Netzwerke und BtoB zusammmen?
Meldungen wie diese sind es, die unter vielen BtoB-Marketeers
Neugier, aufgeregte Spannung, aber auch Ratlosigkeit auslösen.
Vorläufige Diagnose: Man würde gern, weiß aber noch nicht so
genau. Und das, obwohl Social Networks seit Monaten ganz oben
auf den Agenden einschlägiger Tagungen und Foren stehen. Was
also ist zu tun? Tatsache ist, die Welt ist zweigeteilt: Die einen
sind drin, die anderen sind draußen. Tatsache ist auch: Wer drin
ist, arbeitet, denkt und handelt in neuen Kategorien, wer draußen
ist, begutachtet das Ganze spöttisch bis ängstlich ­ je nachdem,
wie groß die Furcht ist, etwas Wichtiges zu verpassen. Lassen Sie
uns hier versuchen, Ansatzpunkte zur Beschäftigung mit dem
Thema Social Networks und BtoB aufzuzeigen.
Verschmelzung von Privatleben und Job:
Die Zielgruppe ist längst da!
Als wichtiger Anhaltspunkt auf der Suche nach einem solchen
Ansatz kann eine Entwicklung dienen, die längst in vollem Gange
ist ­ denn, während wir über Chancen und Möglichkeiten speku-
lieren, ist die Zielgruppe längst auf dem Weg. Wie der Soziologe
Richard Florida in seinem Buch ,,The Rise of the Creative Class"
konstatiert, trennt der talentierte, junge ,,Kreativarbeiter" (damit
sind durchaus auch Ingenieure und Manager gemeint) längst
nicht mehr so streng zwischen Beruf und Privatleben, die Grenzen
verschwimmen. Die Folge ist: Man ist irgendwie immer online
und offen für neue Einflüsse. Interessante Informationen über ein
neues Produkt? Die neue Online-Generation liest das auch um
0.16 Uhr oder samstags morgens im Café.
Die potenziellen User einer BtoB-Community erziehen sich also
längst selbst. Gerade das sich wandelnde Selbstbild junger Pro-
fessionals ermöglicht andere Wege der Kommunikation ­ man
könnte es auch schroffer sagen: Ein Großteil der Zielgruppe ist
viel weiter als ein Großteil der Anbieter.